May 11, 2020

Es ist bekannt, dass Branding mehr als nur ein Logo, ja mehr als Corporate Design ist. Wer das Logo allerdings als erstes Branding-Instrument sowie das CD als ersten Bereich nennt, liegt damit sicherlich nicht falsch. Darauf lässt schon die Herkunft des Wortes „Branding“ schließen, das Einbrennen von Symbolen (Logo, anyone? Logo![1]) in Vieh, um damit die Besitzer zu markieren. So essenziell wichtig, wie die Besitzanzeige von Vieh für die Farmer ist, ist Branding auch für Unternehmen – eine einfache Erklärung, warum hohe Summen dafür ausgegeben werden.

Aufgrund der aktuellen Lage fallen jedoch viele der bereits geschaffenen Instrumente für Unternehmen weg: Es gibt keine Messen, auf denen der ausgeklügelte Stand im Corporate Design die Besucher anlockt. Keiner läuft an den in Unternehmensfarben gestrichenen Wänden der Agentur vorbei. Die sonst Polo-tragenden Technikberater sitzen daheim in Jogginghose, anstatt Kunden über ihre Tablets hinweg auf die neuesten Produkte hinzuweisen. Der Firmenwagen mit Logo-Folierung steht in der Garage und nur die ganz ausgefuchsten Mitarbeiter haben sich vor dem Lockdown noch ihre Kaffeetasse mit Firmenlogo eingepackt. Wenn jetzt schlechtes Wetter wäre, könnte man beim Einkaufen wenigstens noch den gebrandeten Regenschirm aufspannen aber nein…die Sonne lacht nun hämisch in unsere Appartements, als koste sie den endgültigen Sieg über das Branding aus.

Aber es gibt Hoffnung. Denn der Mensch ist kreativ und macht immer das Beste draus. Auch Homeoffice-Harald in effizientem Anzughemd-plus-Unterhose-Outfit schließt so Verträge ab, rechtfertigt Preisanstiege und stellt die Monatsreports vor – alles per Videocall. Und wer in letzter Zeit auf Zoom, Microsoft Teams und ähnlichen Diensten unterwegs war, staunte nicht schlecht, wenn jener ausgefuchste Mitarbeiter im Montagsmeeting das morgendliche Heißgetränk auf einmal vor einer Strandkulisse oder gleich in der Stratosphäre aus der gebrandeten Kaffeetasse schlürfte.

Wir haben nicht alle unsere Tassen in die heimischen vier Wände retten können, aber solange wir noch alle welche im Schrank haben, können wir für neue Branding-Möglichkeiten sorgen. Wie wäre es etwa damit, dass bisher für Lacher genutzte Hintergrund-Feature für sinnvolles Branding zu verwenden?

Dazu müssen einige Dinge bedacht werden, Rocket Science ist davon aber nichts:

  1. Hintergrund
    Ein gleichmäßiger realer Hintergrund ist das Wichtigste, um einen virtuellen Hintergrund überhaupt zu ermöglichen. Greenscreens sind ideal, aber nicht unbedingt von Nöten. Blau funktioniert etwa ebenso zuverlässig. Bei weißen, roten oder schwarzen Hintergründen können Teile der Person damit verschmelzen, da sie ähnliche Farben haben (die hell beleuchtete Stirn, rote Lippen oder auch ein dunkler Bart) und sollten daher nicht die erste Wahl sein. Manche Programme können zwar auch unregelmäßige Hintergründe erkennen und vermeiden – genügend Prozessorleistung (Intel i7 sei empfohlen) ist hier aber Voraussetzung.
  2. Virtueller Hintergrund
    Beim virtuellen Hintergrund kann der Fantasie freien Lauf gelassen werden. Als einfachste Möglichkeit bietet sich hierbei ein Bild mit dem Unternehmenslogo an. Solche Bilder halten die meisten Agenturen und Firmen standardmäßig bereit. Problem: Oft sind diese Logos, Claims oder Grafiken zentriert und werden (wenn sie nicht eine bestimmte kritische Größe erreichen) so durch den Sprechenden verdeckt. Das ist sinnlos und wirkt unprofessionell, weshalb es sich durchaus lohnt, noch einmal den Grafiker (oder wer sich auch immer mit Bildbearbeitung auskennt) zu rufen und alles von der Mitte auf die Seiten zu verschieben. Alternativ kann es auch visuell angenehm sein, wenn Grafiken etwas weiter an den Rand gesetzt werden und der Sprechende in den goldenen Schnitt gesetzt wird (er also eine 2/3 Position im Bild einnimmt). Auch Fotos (etwa eines schicken Büro-Panoramas) sind denkbar. Aufgepasst werden sollte hier erstens auf eine passende Perspektive, sonst kann es wirken, als ob der Sprechende gerade bis an die Schreibtischkante reicht. Der zweite wichtige Punkt ist, dass die Schwarztöne des virtuellen Hintergrunds denen des Sprechenden entsprechen, alles andere wirkt unnatürlich und lässt das Gefühl einer low-budget CGI-Animation aus den 90ern aufkommen. Mit wenig Aufwand kann der Grafiker auch diese Probleme lösen.
  3. Kleidung
    Der Situation angepasste Kleidung versteht sich von selbst. Zudem sollte eine andere Farbe als der Hintergrund gewählt werden, um zu vermeiden, dass der eigene Kopf wie ein Ballon im Bild schwebt (Gebrandetes T-Shirt an? Dann Vorsicht, weil die Farben des Logos denen des Hintergrunds gleichen können!). Letztendlich darf nicht vergessen werden, dass die Farbe sich auch nicht mit der des virtuellen Hintergrunds beißen darf. Dunklere, zurückhaltende Farben sind empfehlenswert.
  4. Licht
    Ohne genug Leuchtkraft schluckt auch der professionellste Greenscreen das Homeoffice-Outfit. Aber neben der Power müssen noch weitere Aspekte in Betracht gezogen werden:
    Bei einer einzigen Lichtquelle drohen dunkle Schatten. Besser sind daher zwei, da so die Schattenbildung abgemildert wird. Während man auch bei einer Lampe ein helles Licht ohne Farbstich wählen sollte, ist es bei zwei besonders wichtig, dass sie die gleiche Farbtemperatur besitzen. Wer experimentell unterwegs ist, kann mit den Farben jedoch auch kreativ werden und die Lichter auf den virtuellen Hintergrund anpassen (Beispielsweise links eine blaue Lampe und rechts eine rote Lampe vor einem virtuellen Farbverlauf in ähnlichen Tönen).
  5. Ton
    Ein kleines, aber feines Detail: Wer viel mit Kunden Kontakt halten muss oder Keynotes und Webinare hält, sollte wo möglich nicht mit dem iPhone-Kopfhörer oder dem Laptop Mikrofon Vorlieb nehmen und in ein Mikrofon investieren. Die sind auch schon für kleines Geld zu haben und viele Menschen akzeptieren in Videocalls natürlicherweise schlechte Bildqualitäten, wohingegen schlechte Tonqualität eher als störend wahrgenommen wird.

Wer sich weder mit Bildbearbeitung auskennt, noch einen Grafiker nutzen kann, der kann bei manchen Video-Diensten auch per Klick eine virtuelle Unschärfe in den Hintergrund legen.
Denn auch wenn es bei internen Team-Calls vielleicht Anlass für lockere Gespräche ist, ist man doch dankbar, wenn bei Videokonferenzen mit Kunden der schlecht sortierte Vorratsschrank oder die besonders gut sortierte Wohnzimmerbar in professioneller Unschärfe oder dem Firmendesign verschwinden. Branding statt Brandy und Bratwurstgehäck!

 

[1] Die Pedanten unter uns mögen argumentieren, dass das Wort Logo eigentlich vom griechischen „Logotype“, also Wortmarke, stammt ­- und so keine Symbole oder auch nur grafische Abänderungen der Schrift beinhaltet. Jedoch wird das Logo im allgemeinen Sprachgebrauch meistens so verwendet.

 

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